Immer am letzten Sonntag im September ist der Welttag der Gehörlosen.
Dieser besondere Tag wurde 1951 ins Leben gerufen, um die Gründung des Internationalen Gehörlosenbundes zu würdigen. Statistiken zeigen, dass jeder neunte Mensch von einer Hörbehinderung betroffen ist.
Mir selbst ist dieser Tag noch nie so ins Herz gefallen wie dieses Jahr. Warum?
Mitschwestern arbeiteten und arbeiten in der Gehörlosen-Seelsorge: Eine arbeitet im Erzbistum München-Freising und eine in Nordindien.
Und hier in Dillingen engagiert sich ein junger Mann, der selbst gehörlos ist, Barrieren abzubauen, um eine inklusive Gesellschaft für alle zu schaffen.
Beim Schreiben des Impulses sind mir einzelne, „einfache Gesten“ eingefallen, die wir in unserem Alltag gebrauchen.
So wie auf dem Foto. Das angedeutete Herz könnte bedeuten: „Ich habe ein Herz für Dich!“, „Ich mag Dich, so wie Du bist!“ oder „Herzliches Dankeschön!“.
Oder das „Victory“-Zeichen (Zeige- und Mittelfinger als V) als Symbol für Freiheit und Frieden oder für „endlich haben wir es geschafft“.
Oder das Emoji mit dem Daumen hoch als Zustimmung, Einverständnis, Lob oder Unterstützung. …
Und was hat das heutige Evangelium (Mt 21,28-32) damit zu tun?
Jesus erzählt eine Geschichte von einem Vater, der seine zwei Söhne bittet, heute im Weinberg zu arbeiten. Der erste weigert sich zuerst, um es sich dann doch anders zu überlegen. Der andere ist zuerst gehorsam und signalisiert Zustimmung und lässt dann keine Taten folgen.
Die Pointe dieser Geschichte, die Jesus erzählt, könnte darin liegen, dass Jesus dem Tun Vorrang vor dem bloßen Reden gibt. Das liegt Jesus wohl am Herzen: das Tun und nicht so viel (drumherum) Reden.
Für mich ist diese Geschichte Jesu ein Weckruf, ein Aufruf:
Red‘ nicht so viel, mach, probier aus!
Es ist ein erster Schritt. Diese kleinen Gesten können Barrieren abbauen und Teilhabe für alle ermöglichen. Heute am Welttag der Gehörlosen und jeden Tag.

Sr. Friederike Müller, OSF